18.05.2010

Touristische Gretchenfrage - Burka und Tiroler Tourismus



Das nebenstehende Bild ist eine der bekanntesten Visualisierungen von unterschiedlichen Wahrnehmungen ein und desselben Bildes. Die eine sieht eine junge, der andere eine ältere Frau darin. Was stimmt?
Der letzten Sonntag, 16. Mai in der Tiroler Tageszeitung publizierte Artikel über das Werben Tiroler Touristiker_innen mit dem Titel ""Tirol setzt auf Burkaträgerinnen" ähnelt dem Bild auf erstaunliche Weise.
In dem Zwei-Seiter rät Christoph Brunner von der Tirol Werbung dazu, "Frauen nie direkt anzusprechen" und besonders wichtig sei es, "ausreichend Zeit für Gebete einzuplanen". Soviel Respekt und Sensibilität in Fragen des interkulturellen Umgangs ist schon fast wieder beängstigend. Der arabische, finanziell potente Gast solle sich wohlfühlen und ordentlich Geld dalassen, lautet der Subtext der Botschaft. Das ist die eine Sichtweise.
Die andere ist seit kurzer Zeit ein künstlich konstruiertes Top-Thema: Das Burka-Verbot. Obwohl hierzulande sehr, sehr wenige bis gar keine Frauen die Burka tragen (Burka ist nicht dasselbe wie eine Ganzkörperverschleierung) wird sie als die klare Absage an die "westliche Kultur" identifiziert. Sie sei entwürdigend und frauenfeindlich sagen jene (Männer), die das Patriarchat jeden Tag aufs neue reproduzieren. Die Burka sei zu verbieten, dann wäre die Sache gelöst, meinen andere. Selbst Berichte des französischen Geheimdienstes, dass es in ganz Frankreich keine 2.000 Frauen gäbe, die die "klassische Burka" trügen, konnten die Debatte nicht bremsen. Wenigstens finden dann die (reichen) Burka-Trägerinnen in Kitzbühel und Seefeld eine Heimstatt. Dem liberal-aufgeklärtem Tiroler Tourismus sei Dank!

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